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"Rehamanagement aktuell" 13.12.2011


12 Regeln für professionelles Rehamanagement - Qualität und Transparenz als Schlüssel zum Erfolg

Qualitätsgrundsätze und deren konsequente Einhaltung sind für Dienste, die die Rehabilitation von schwer unfallverletzten oder chronisch erkrankten Menschen unterstützen sollen, unentbehrlich. Bereits 1998 stellte Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR) Qualitätsgrundsätze für die ambulante und stationäre Rehabilitation vor, die nach wie vor zentrale Festlegungen für die im Bereich der Rehabilitation beteiligten Institutionen beinhalten. Doch qualitative Anforderungen an ein modernes, koordinierendes Rehamanagement, dass verschiedenste Reha- bzw. Teilhabeleistungen bewertet, deren Umsetzung auf den Einzelfall bezogen empfiehlt und die Beteiligten miteinander vernetzt, gehen noch weit darüber hinaus.

Den BAR-Grundsätzen zufolge sollten die Leistungen, wie diese Stichworte skizzieren, aus ganzheitlicher  Perspektive und in interdisziplinärer  Weise und mit fachlich qualifiziertem  Personal erbracht werden. Für dieses sollte die Möglichkeit zu regelmäßigen Teambesprechungen  und zu Fort- und Weiterbildung  bestehen. Die Leistungen hätten nach dem Grundsatz ambulant vor stationär  patientenspezifisch  und die Patienten aktiv einbeziehend  zu erfolgen; gemeinsam mit ihnen seien die Ziele zu vereinbaren . Auch der Einbeziehung von Angehörigen  wurde nun besondere Bedeutung zugemessen. Ebenso wurde eine Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten nach Entlassung und bei notwendiger Nachbetreuung am Wohnort  gefordert. Dem Patienten sollten Möglichkeiten der eigenverantwortlichen Fortführung der Therapie im häuslichen Umfeld  aufgezeigt werden. Primäres Ziel müsse sein, ihn hierzu zu motivieren. Darüber hinaus wurde qualitätssichernde Maßnahmen in den Einrichtungen (z.B. Qualitätszirkel, Patientenbefragungen) die Führung einer Basisdokumentation  gefordert.

Tatsächlich hat sich seit der Veröffentlichung der BAR-Qualitätsgrundsätze in der Rehabilitation in Deutschland eine ganze Menge zum Positiven verändert hinsichtlich einer stärker teilhabeorientierten Sichtweise und der Einhaltung von Qualitätsanforderungen. Einrichtungen der stationären medizinischen Rehabilitation müssen gemäß § 21(3) SGB IX über ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem verfügen, damit sie von Sozialleistungsträgern belegt werden dürfen. § 20 SGB IX sieht vor, dass die unterschiedlichen QM-Verfahren von der BAR akkreditiert sein müssen.

Gesellschaftliche Umdenkungsprozesse, die zunehmende Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und eine geänderte Sozialgesetzgebung haben der Rehabilitation eine neue Qualität gegeben. Dem stehen allerdings im Gesundheitswesen auch Tendenzen zunehmenden Ökonomisierens (wobei der mit der Einführung der DRGs erhoffte Effekt einer Kostenreduktion allerdings weitgehend ausgeblieben ist) und zunehmende Korruption und finanzielle Vorteilsnahme (v.a. bei der Vermittlung von medizinischen Leistungen) gegenüber. Die seit Jahrzehnten geforderte trägerübergreifende Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, die seit gut 10 Jahren sozialgesetzlich festgeschriebener Auftrag ist, hat trotz der Einrichtung sogenannter Gemeinsamer Servicestellen  nicht zu einer Überwindung der Zerstückelung von Rehaleistungen beigetragen.

Um nicht den ökonomischen Folgen des gegliederten Systems in der Rehabilitation mit einer hohen Wahrscheinlichkeit unzureichend koordinierter Maßnahmen und damit verbundenen hohen Folgekosten ausgeliefert zu sein, interessierten sich insbesondere die privaten Haftpflichtversicherer in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre zunehmend für neue Ansätze einer Steuerung der Rehaprozesse bei Unfallgeschädigten. Eine eigenständige Steuerung der Reha  durch die Versicherungen wurde jedoch vor allem seitens der Anwälte von Geschädigten äußerst kritisch gesehen, so dass beim Verkehrsgerichtstag 2000 in Goslar mit einem Code of Conduct des Rehamanagements Verhaltensmaßregeln verabschiedet wurden, durch die eine direkte Steuerung oder eine weisungsbezogene Zusammenarbeit mit Dritten ausgeschlossen wurden.




Die wichtigsten Grundsätze des Code of Conduct, die heute bei professionellen Rehadiensten die Praxis des Rehamanagements bestimmen, sind zusammengefasst folgende:

  • Das Rehamanagement darf nicht vom Haftpflichtversicherer selbst durchgeführt werden, sondern liegt in der Hand eines Rehabilitationsdienstes.
  • Der Rehadienst ist personell und organisatorisch vom Haftpflichtversicherer unabhängig, weisungsfrei und neutral. Art und Umfang seiner Tätigkeit wird ausschließlich durch das Rehabilitationsziel bestimmt.
  • Er hat sich jeglicher Einflussnahme oder gar Beurteilung auf die Regulierung des Schadens zum Grund oder zur Höhe der Ansprüche zu enthalten und bereits der Möglichkeit des Entstehens eines dahin gehenden Anscheins entgegen zu wirken.
  • Der vom Haftpflichtversicherer zu beauftragende Reha-Dienst wird einvernehmlich mit dem Anwalt des Unfallopfers vorher bestimmt.
  • Die Kosten des Reha-Managements trägt der Haftpflichtversicherer.

Mit dem Rehamanagement durch (dem Prinzip nach) unabhängige Rehadienste, die im Auftrag von privaten Versicherungsgesellschaften tätig sind und die Rehabilitation von schwerst-verletzten Anspruchstellern unterstützen, ist in Deutschland erstmals auf Bundesebene eine konsequente Implementierung von Casemanagement-Konzepten gelungen. Die Idee des Casemanagement stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Heute ist klar, dass ein qualitativ gutes Rehamanagement wesentlich zu einer zielgerichteten, zügigen und erfolgreichen Reha beiträgt und damit zu einer Kostenersparnis für die deutsche Versicherungswirtschaft beiträgt. Andererseits kann dem Betroffenen durch das Rehamanagement individuell und gut geholfen werden. Durch ein gutes Rehamanagement, das sich an die Vorgaben hält, kann eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten erreicht werden. Dieses wird voraussichtlich auch Vorbildcharakter haben für die zukünftige optimierende Gestaltung von Rehaprozessen durch die gesetzlichen Versicherungsträger.

Aber Rehamanagement ist keine per se geschützte Berufsbezeichnung. So gibt es neben Rehadienstleistern, die besondere Qualitätsmaßstäbe einhalten, auch solche, die sich ohne großen Sachverstand und bei mangelnder Qualität vor allem durch billige Leistungen abheben. So liegt es in der Verantwortung der Betroffenen, ihrer Anwälte und auch der beauftragenden Versicherer, qualitative Unterschiede zwischen Rehadienstleistern zu erkennen und danach zu handeln. Ein geeigneter Rehadienst ist daran zu erkennen, dass er sich zur Beachtung von weitreichenden Handlungsleitlinien verpflichtet. Für InReha gelten folgende:

  1. Das Rehamanagements ist darauf ausgerichtet, unfallverletzte oder erkrankte Personen in ein so weit wie möglich selbständiges Leben zu begleiten und ihnen eine möglichst umfassende Teilhabe zu ermöglichen.
  2. Der Code of Conduct des Rehamanagements ist von allen Parteien einzuhalten und Grundlage der Zusammenarbeit.
  3. Die Datenschutzregeln nach Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) stellen eine grundsätzliche Mindestanforderung dar. Jeder einzelne Mitarbeiter ist auf das Datengeheimnis verpflichtet. Die Datenverarbeitung, -speicherung und weiterleitung an Dritte sowie die Lagerung und fachgerechte Entsorgung erfolgt fachgerecht unter Anwendung besonderer Schutzvorkehrungen. InReha verfügt über eine eigene zertifizierte Datenschutzbeauftragte (KEDUA), die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überwacht und gewährleistet.
  4. Jeder Betroffene kann auf der Basis der ihm überlassenen Informationen frei darüber entscheiden, ob er die durch InReha angebotene Unterstützung annehmen will. Der Betroffene ist frei, vorgeschlagene Vorgehensweisen zu akzeptieren und kann jederzeit die Teilnahme am Rehamanagement ohne Angabe von Gründen beenden.
  5. Es wird fortlaufend sicher gestellt, dass alle Beteiligten am Rehamanagement den gleichen Kenntnisstand vom Fortgang des Verfahrens haben. Alle Maßnahmen müssen für die Beteiligten vorhersehbar und nachvollziehbar sein.
  6. Die vereinbarten Maßnahmen werden jeweils zeitnah durch ein multidisziplinäres Beraterteam umgesetzt. InReha hält die erforderlichen Strukturen vor, um interne Abläufe, wie die Koordination der eingebundenen Fachbereiche, der geeigneten Berater und die ortsnahe Umsetzung von Rehamaßnahmen zu gewährleisten und eine kontinuierliche Begleitung des Betroffenen zu ermöglichen.
  7. Bei der Auswahl des eingesetzten Integrationsbegleiters wird Fachwissen, Berufserfahrung, fachliche Kompetenz sowie umfassende Sozialkompetenz und Seriosität geachtet. InReha hat bundesweit ein Netz von rund 250 regionalen Integrationsbegleitern, die für das Rehamanagement durch eine zertifizierte Casemanagement-Ausbilderin (DGCC) geschult  wurden. Ihre Arbeit erfolgt immer im Tandem mit einem weiteren erfahrenen Mitarbeiter, sie wird regelmäßig überprüft und evaluiert, um so eine dauerhafte und kontinuierliche Beratungsqualität zu sichern.
  8. Qualitätssicherung und management ist eine der wesentlichen Aufgaben der Geschäftsführung von InReha. Die Regeln des Qualitätsmanagement wurden verschriftlicht und werden laufend durch interne Audits überwacht und den Erfordernissen angepasst. Die Qualitätsbeauftragte von InReha ist zertifizierte Qualitätsmanagerin (DGQ).
  9. InReha verfügt über einen entsprechend dem Code of Conduct bestellten fünfköpfigen Beirat, der die Einhaltung der Regeln des Rehamanagements durch entsprechende Fallprüfungen sicherstellt und die Geschäftsführung u.a. bei allen Fragen des Qualitätsmanagements berät. Wichtiger Bestandteil ist dabei auch ein direkt zugängliches Beschwerdemanagement.
  10. Die Dienstleistungen werden bundesweit und ortsnah für den Betroffenen erbracht. Die Maßnahmenplanung und -umsetzung geschieht unter Beachtung der notwendigen Qualitätsstandards vorrangig im Wohnumfeld des Betroffenen.
  11. InReha ist personell, organisatorisch und inhaltlich unabhängig von den Auftraggeber und eingeschalteten Dienstleistern. InReha ist weder Tochterunternehmen eines Versicherers oder Rückversicherers, noch ist es über finanzielle Beteiligungen oder rechtlich mit diesen verbunden.
  12. Die mit den Beteiligten abgestimmten und vereinbarten Ziele des Rehamanagements gelten als alleiniger Maßstab für die Auswahl von Maßnahmen und Dienstleistern. Seit der Gründung 2001 achtet InReha entschieden darauf, aus der Vermittlung von Rehabilitanden an Ärzte, Therapeuten, Kliniken oder sonstige Einrichtungen oder Maßnahmeträger der Rehabilitation keinerlei geldwerten Vorteil für das Unternehmen zu ziehen.

Wo Qualität und Transparenz integraler Bestandteil der Arbeit von Rehadienstleistern sind, ist ein erfolgreicher Rehabilitationsverlauf kein Zufallsprodukt. InReha hat sich auf diese Handlungsleitlinien verpflichtet und arbeitet auf dieser Grundlage. Im Kern werden diese Leitlinien durch InReha bereits seit der Gründung vor mehr als zehn Jahren realisiert. Nur so kann unseres Erachtens eine unabhängige und von Qualitätsmaßstäben geleitete Lotsenfunktion erreicht werden, die allen Beteiligten nützt. InReha ist als Case-Management-Institut zertifiziert durch die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). InReha ist durch den Deutschen Anwaltsverein  ARGE Verkehrsrecht als unabhängiger Reha-Dienst anerkannt.


Weitere Informationen erhalten Sie über den Autor: Hendrik.Persson@InReha.net


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