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In Hannover startete heute eine Aufklärungskampagne über die fatalen Folgen des Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung für die Humanmedizin. Immer häufiger erleben wir von InReha, wie Heilungsverläufe bei schwer unfallverletzten Menschen zunehmend nachteilig durch Antibiotika-Resistenzen beeinflusst werden. Tragen Patienten multiresistente Keime in sich, schlagen bei der Behandlung Antibiotika nicht an. Daher unterstützt InReha die


Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung


Heute stellte in Hannover die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung ihre bundesweite Kampagne der Öffentlichkeit vor. Mediziner und Medizinerinnen aus verschiedenen Fachdisziplinen aus vielen Teilen Deutschlands haben sich darin zusammengefunden und fordern eine Abkehr von der Massentierhaltung. In der Massentierhaltung werden oft Antibiotika an Geflügel oder Schweine verabreicht.


Patienten und Behandler stehen zunehmend vor dem Problem, dass verabreichte Medikamente nicht wirken. Das liegt an sogenannten multiresistenten Keimen, die immer mehr Menschen in sich tragen. Keime, die gegen Antibiotika resistent sind. Diese Resistenzen bilden sich auch dort, wo massenhaft Antibiotika bei Tieren verabreicht werden - in der industriellen Landwirtschaft. Aus diesem Grund fordern jetzt erstmals auch Humanmediziner eine Abkehr von der Massentierhaltung.


InReha erlebt immer häufiger, dass, wenn Unfallopfer nach einer Operation im Krankenhaus liegen, die Wunde heilt nur schlecht. Die eingesetzten Antibiotika wirken nicht, weil der Patient multiresistente Keime in sich trägt. Die therapeutische Schwierigkeit ist es, für die Behandlung der isolierten Patienten Antibiotika zu finden, die bei diesen Erregern noch wirken.


Multiresistente Keime können tödlich sein. Jedes Jahr sterben in der EU Studien zufolge rund 25.000 Patienten, weil Antibiotika wirkungslos bleiben. Die WHO sieht weltweit ein ernstes Problem und warnt vor der Gefahr resistenter Bakterien. Betroffen sind vor allem Patienten mit geschwächter Abwehrkraft: Neugeborene und Alte, auch ein Autounfall, eine längere Beatmung, eine längere Liegedauer können uns zu einem Risikopatienten werden lassen.


In Gegenden, wo besonders viele Tiere auf engem Raum gehalten werden, wie zum Beispiel im Nordwesten Niedersachsens, treten vermehrt multiresistente, sogenannte MRSA-Keime auf. Große Mengen Antibiotika werden dort an Tausende Hühner, Puten und Schweine verabreicht, damit sich Krankheiten nicht ausbreiten. Aber auch an vielen anderen Orten bundesweit gibt es große Stallanlagen mit massenhafter Tierhaltung auf engstem Raum und eine erhöhte Keimbelastung.


Nur mit einer Antibiotika-Dauerbehandlung sind solche Haltungsbedingungen möglich, bei denen wir die Tiere in extremer Enge halten. Nach Angaben von NDR Info  werden rund 1.700 Tonnen Antibiotika in der Tiermast eingesetzt. Die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung fordert ein Umdenken: weg von industriellen Tierställen hin zu kleineren Einheiten, wo Tiere mehr Platz haben, artgerechter gehalten werden und damit gesünder und möglichst ohne Medikamente aufwachsen. Damit sinke die Gefahr von multiresistenten Keimen für den Menschen.


Mit dem Start ihrer bundesweiten Kampagne wollen die Ärzte vor allem Druck auf die Politik und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen ausüben. 250 Kollegen haben sich der Initiative bereits angeschlossen. In einem gemeinsamen Positionspapier (http://www.bund-lemgo.de/download/Positionspapier_V1.1.pdf) fordern sie unter anderem, dass der Antibiotika-Einsatz bei Hühnern und Schweinen schärfer kontrolliert wird. InReha sieht das genauso und hofft auf breite Unterstützung im Bereich des Reha- und Personenschadenmanagements. Schließlich kennen wir inzwischen alle das Problem, dass Medikamente bei Geschädigten nicht mehr anschlagen.


Dass die exzessive Verabreichung von Antibiotika in der Massentierhaltung ganz erhebliche Risiken bedeuten, ist fast täglich den Medien – aber auch wissenschaftlichen Abhandlungen – zu entnehmen. Nachfolgend eine Auswahl von Oktober 2010 bis heute (04.06.2014):




 

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